...wenn Sie wissen wollen, was meine Kunden sagen.
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Berlin, 1994...als frisch gebackener Versicherungskaufmann stand ich nun da und wusste nicht so recht, was ich eigentlich „werden" wollte. Mein Ausbildungsbetrieb, ein führender Deutscher Versicherer, wollte mich nicht übernehmen. Ich hätte wohl meinen Ausbildungsleiter etwas mehr respektieren und etwas weniger kritisieren sollen, aber ich war schon immer mehr für offene Direktheit - nicht immer zu meinem Vorteil.
Nun gut, bewarb ich mich also bei der Konkurrenz. Da wurde ein Mitarbeiter in der Abteilung Leistung gesucht. Ich wurde dann auch prompt eingestellt, obwohl ich ausgerechnet von diesem Bereich so viel wusste wie eine Kuh vom Klarinette blasen. Das erstaunte mich umso mehr, als man mir hinterher erzählte, dass ein anderer Versicherer gerade seine Berliner Pforten geschlossen hatte und viele Bewerbungen von besser qualifizierten Mitarbeitern vorgelegen hatten.
Also strengte ich mich doppelt an, um den guten ersten Eindruck, den man offenbar von mir gewonnen hatte, auch zu bestätigen. Die Arbeit machte mir Spaß, ich lernte schnell und wurde bald zu einer Anlaufstelle für wesentlich dienstältere Mitarbeiter bei Fragen und Abwicklungsproblemen. Nebenberuflich absolvierte ich noch ein Fernstudium der Betriebswirtschaft. Dies blieb auch meinen Vorgesetzten nicht verborgen und ich wurde knapp 2 ½ Jahre später zum Gruppenleiter befördert.
Auch dieses Aufgabengebiet lag mir gut, so dass ich als mein damaliger Abteilungsleiter weitere 2 Jahre später aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand ging, zum Abteilungsleiter befördert wurde.
Mit meinen 27 Jahren war ich für meine Vorstellung also schon ziemlich weit gekommen und wähnte mein damaliges Berufsziel - Innendienstleiter der Bezirksdirektion - schon in greifbarer Nähe, als der Vorstand beschloss, das gesamte Unternehmen umzustrukturieren.
Der Supergau! Im Klartext hieß das, dass 36 Bezirksdirektionen zu 5 Niederlassungen „zusammengedampft" wurden und noch 5 von 36 Abteilungsleiterstellen übrig blieben, allerdings mit 5 mal so großen Abteilungen. Ich rechnete mir gerade meine ohnehin schon geringen Chancen auf einen Abteilungsleiterposten dieser Dimension aus, da wechselte zu allem Überfluss auch noch mein direkter Vorgesetzter.
In einem ersten Gespräch passierte dann das, was ich schon befürchtet hatte: Ich wurde „gewogen und für zu leicht befunden". Time to leave, dachte ich, aber man überzeugte mich, dass die neuen Gruppenleiterstellen im Prinzip genauso viel Verantwortung bedeuteten, wie die alten Abteilungsleiterstellen, denn auch die Gruppen waren nun bedeutend größer. Also machte ich in veränderter Position weiter und wirkte am Aufbauprozess der Berliner Niederlassung mit, wenngleich mir die Zusammenarbeit mit meinen neuen Vorgesetzten nicht halb so viel Spaß machte - ist halt auch immer eine Frage der gegenseitigen Sympathie und der Umstände (ich kam mir trotz allem ziemlich degradiert vor).
Es ergab sich, dass ich im Rahmen des Change Managements viel mit unserer internen Unternehmensberatung zusammen arbeitete, einer Stabsstelle, die direkt dem Betriebsvorstand in München unterstand. In diesem Zusammenhang wurde mir dann irgendwann die Frage gestellt, ob ich mir vorstellen könne, in der Hauptverwaltung in München in eben dieser Abteilung zu arbeiten. Da man in dieser Abteilung, die als das Karrieresprungbrett schlechthin galt, eine Menge lernen konnte, zog ich nach München um. Ich blieb zwei Jahre dort und lernte in dieser Zeit sehr viel über das Unternehmen und das Funktionieren eines Versicherungskonzerns an sich.
Nach fast 10 Jahren im Unternehmen reifte aber auch noch ein anderer Wunsch: Einmal etwas völlig anderes zu tun. Ich wollte in den Vertrieb und zwar in die Kundenberatung. Ich stellte schnell fest, dass die Möglichkeiten innerhalb des Unternehmens für mich nicht interessant waren und auch ein Wechsel zu einem anderen Versicherer schien mir keine Alternative.
Mich faszinierte der Gedanke, mich in der Kundenberatung des gesamten Marktes bedienen zu können, meinen Kunden also nicht die Standardlösung des jeweiligen Unternehmens anbieten zu müssen. Ich wusste ja aus meiner Tätigkeit, dass ein Versicherer niemals in allen Sparten das jeweils beste Angebot haben kann.
Also kündigte ich Anfang 2003 - ziemlich übereilt, wie ich im Nachhinein zugeben muss - und stieg als 2. Geschäftsführer in einen Maklervertrieb ein. Dort blieb ich anderthalb Jahre, um mir die notwendigen Vertriebs-Kenntnisse anzueignen, und machte mich dann Mitte 2004 als unabhängiger Finanz- und Versicherungsmakler selbstständig. Das war zunächst schwerer als ich mir das vorgestellt hatte, denn selbst wenn ich mir im Laufe der Jahre ein ziemlich umfangreiches Wissen angeeignet hatte, hieß es nun, Kunden für meine Dienstleistung zu begeistern und das ist bei der Vielzahl an Mitbewerbern gar nicht so leicht.
Mittlerweile sind 5 Jahre vergangen und im Nachhinein kann ich sagen, dass die Entscheidung mich selbstständig zu machen, die beste in meinem Leben gewesen ist. Ich freue mich jeden Tag auf meine Arbeit und freue mich immer wieder aufs Neue, wenn ein Kunde mir sagt, dass ihm meine Beratung gefallen hat.
Viele Grüße
Ihr Thomas Gruner